SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

Fuchsgeist (Zeichnung: Kerstin; Text: Sylvia)

projekt sylvia und kerstin — Sylvia am 21. Januar 2008  

Fuchsgeist

wenn ich tanze, fliegen die männer. sie fliegen ganz und gar, zittern, wackeln mit kopf und ohren und schultern und knien, alles ruckt und zuckt entzückt entrückt. Wenn ich tanze, nachts, flackert das licht in der lampe, alle motten machen sich auf und flattern um mich herum und die nachtvögel und fledermäuse. männer, motten, vögel, fledermäuse – und alles, was nicht festgebunden ist. einmal flogen sogar die schafe auf, flogen aus den fängen meiner rotschwänzigen verwandten in den himmel auf. Ich hörte sie heulen, meine rothaarigen brüder, weil ihnen die beute in die lüfte entwischte. ich lachte nur und tanzte weiter, weiter, meine weiten. rauschenden gewänder machten musik dazu, raunten und rauschten und die männer trommelten, trommelten wilde synkopen auf wände und türen und auf die kühlerhauben der autos, die still unter straßenlaternen warteten. alle fenster gingen auf, alle türen aller häuser dieser stadt. menschen kamen heraus, die männer fingen an zu fliegen und die frauen fingen an zu schimpfen und zu weinen. die kinder schauten nur mit großen augen. müde schaute ich sie alle an, rief meine rothaarigen brüder und tanzte mit ihnen in den wald zurück. die menschen fielen in einen tiefen schlaf und dachten am nächsten morgen, sie hätten alles nur geträumt. Ich aber werde wiederkehren mit meinen rotschwänzigen brüdern und wenn ich tanze…

sisiphos Zeichnung: Kerstin; Text: Sylvia

projekt sylvia und kerstin — Sylvia am 10. Januar 2008  

Projekt

„ja, ich sitz hier gut. immer wenn ich ausgetrunken
habe, kommt einer vorbei und giesst neuen wein
in mein glas. sobald in meinem magen die jungen
hunde zu knurren beginnen, stellt man mir platten
mit fleisch und brot vor die nase. es lässt sich leben,
so, wie es jetzt ist. ja, natürlich, du hast recht, etwas
langweilig ist mir schon. habe ich doch weiter nichts
zu tun, als auf den nächsten rumms zu warten. die
aussicht ist auch die immergleiche, die nackten füße
und der hintern von dem typen, der da für die meister-
schaften trainiert. oder ist er gar schon in der quali-
fikation? nein, glaub ich eigentlich nicht.
er ist ein echter tolpatsch. seine technik ist – naja.
ich weiss auch schon gar nicht mehr, was ich meinen
lesern berichten soll… da! da kommt er wieder
runter. rumms. ich geh jetzt mal rüber. ich frag ihn jetzt
mal. das ist ja nicht auszuhalten! und wenn er mir
eine schmiert? ach, egal. ich hab eh‘ schon hornhaut
auf der wange vom hand-aufstützen.
„he, sie! sagen sie mal, wie weit wollen sie denn dieses
spiel noch treiben? haben sie den rekord noch nicht
eingestellt?“ er guckt mich an, streckt sich, verreibt den schweiss
auf seiner haut, gähnt. nickt, lächelt und ruft hinauf:
„heidi, heidi, deine welt sind die berge!“ ein freudiger
jodler antwortet ihm und schon kommen die käsebollen
über den grat gekollert und hepp! und hepp! und hepp!
mit seinen starken armen fängt er sie auf und stapelt
sie zu einer pyramide. als letztes kommen heidi und
rosenresli heruntergesprungen und küssen den typen
ab. widerlich, sag ich dir!
versteh wirklich nicht, was die weiber an solchen typen
finden. naja. ich geh dann mal und tipp meinen bericht.
das foto ist leider verwackelt weil der geissen-peter
an meiner jacke gezogen hat. er wollte incognito bleiben.“

wackelpudding (Text: Sylvia; Zeichnung: Kerstin)

projekt sylvia und kerstin — Sylvia am 8. Januar 2008  

Wachelpudding

wackelpudding gibts –

die kinder hüpfen

durch die küche

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