SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

in der notaufnahme

Tagebuch — Sylvia am 28. Januar 2010  

das wartezimmer ist voll. blasse, verstörte, versehrte. schockierte augen.augen schauen nach innen, auf den fussboden oder nach draußen, wo ein ambulanzwagen nach dem anderen eintrifft. sirenen fern und nah, türen werden aufgerissen, zugeschlagen. augen schauen auf den fernsehschirm oben, das fernsehprogramm ist ein ausgesuchtes, Frauentausch und Big Brother. ein junger arzt (wieso kann der schon ein arzt sein, du lieber himmel, mensch, bin ich alt geworden. er dreht meine beine hin und her, drückt hier und da, nachdrücklich aber nicht grob. wieder auf dem flur, menschen in weiss eilen, ihre augen streifen dich nicht einmal, du bist ein knie. das wird jetzt durchleuchtet. alles klar, kein bruch, kein schleimbeutel kaputt. nur blau und aua. muss in die kühlung und aufs sofa. ohne frauentausch. ohne big brother. oh danke, danke, danke!

mein vater

Lyrik,Tagebuch — Sylvia am 22. Januar 2010  

mein vater

er lächelt

er lächelt im schlaf

weil er

vielleicht

wieder jung ist

weil er

vielleicht

wieder stark ist

auf seinen füßen steht

und läuft

weil seine hände

beweglich und sanft sind

und seinen schimmel

streicheln

und seinen schlitten

voll mit holz

bis ins dorf ziehen

der schnee

ruht sich aus

in vaters narbigen schuhen

vergessen

vor der stalltür

in einem längst

versunkenen land

tischmusik – von einer meiner lieblingsgruppen

Tagebuch — Sylvia am 19. Januar 2010  

http://www.youtube.com/watch?v=WGsxYOrJqk0&feature=related

 

und euch auch einen guten appetit;-))))

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