SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

kopfstand (oder: es ist so schön derzeit mit schwarz und weiss)

Tagebuch — Sylvia am 25. April 2010  

kopf

u-bahn-schacht (text: Sylvia Hagenbach; illustration: Kerstin Bober)

projekt sylvia und kerstin — Sylvia am 20. April 2010  

kahles licht wie besoffen über die kacheln bis weit oben wo es fast tag ist. die augen tun weh in den sandpapierhöhlen. irgendwo tropft wasser, irgendwo gröhlen die kids was von fussball, irgendwo wird ein kuchen gefressen. das messer teilt stücke zu. die kerzen runtergebrannt bis auf den zuckerguss. rausgerissen und in den müll geworfen. da liegen sie, himmelblau auf dem rötlichen nudelnest von gestern. kommt, kinder, sagt er, wir fangen an. sie greift neben sich. findet das säckchen mit dem dominospiel. öffnet es. wirft die steine auf die geleise, geht. die frau mit den ausgerissenen augenbrauen schaut ihr nach. sie greift nach ihren plastiktüten, holt die puppe heraus und beginnt zu singen.

Spagettitorte

tee (zeichnung: Kerstin Bober; text: Sylvia Hagenbach)

projekt sylvia und kerstin — Sylvia am 19. April 2010  

tee

ich schaue auf das weite meer hinaus. zwei vögel rasten am ufer nach ihrer reise durch die dunklen himmel. aus ihrem gefieder strömen spuren der eisigen luft, die sie durchquerten. nur noch leichte rauchfahnen wehen aus dem krater des vulkans. alles scheint sich beruhigt zu haben. ich träume weiter, bis plötzlich eine hand den vulkansee am henkel ergreift und in die höhe hebt, den krater des vulkans über die vögel senkt und langsam lava über sie gießt. es qualmt mächtig aus dem krater, das heiße ergießt sich über die vögel, goldbraun und duftend, aber so heiss! „nein! nein! nicht die vögel!“ rufe ich und sehe in dein verwirrtes gesicht. du stellst den see auf den tisch, reichst mir einen der vögel und sagst: „tea-time, liebes! wach auf! es hat keinen sinn, sich aufzuregen. wir müssen geduld bewahren. wer weiss, wie lange noch.“ ich schaue hinaus. ein blauer himmel dehnt sich über dem flugfeld. die großen vögel mit ihren bunten zeichnungen stehen still. keiner wird sich in die luft erheben in den nächsten stunden.
ich hebe die tasse und schlürfe einen schluck earl grey. let it be singen die beatles.

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