SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

an tagen wie diesem

Tagebuch — Sylvia am 29. August 2010  

blackwhiteschirm13

ich habe schlechte laune, verdirb sie mir nicht! sagte eines tages mein cousin zu meinem onkel. heut hätt ichs sagen können – äh – was kommt da alles vom himmel gestürzt, cats and dogs sagt der englishman und morgen ist montag. lauselausekalt ists. es hilft nicht: in der küche stehen, mit den töpfen scheppern. es hilft nicht: mit heißem wasser abwaschen. es hilft nicht: aus dem fenster gucken. es hilft nicht: auf dem sofa liegen unter der blauen wolldecke und lesen. das buch zieht nicht richtig, dafür alles andere. die fenster klappern, die kerzenflamme zittert. ich auch trotz decke, alles nicht gemütlich. film gucken: langweilig. aufräumen: langweilig. wäsche abnehmen: langwei… die wäsche flattert durch die wohnung, kein wind, nein: da ist musik drin, im radio! da fängts an zu shaken, so im becken tacketack, die hüften machen 8ten, die beine zucken, die füße stampfen, die rote wäsche hüpft, revolution, revolution, bis in den wäscheschrank, haha, das stampft und trampelt und schüttelt und hüpft, schön, die unternachbarn sind verreist und frieren in Hamburg, also druff immer druff, haha! Sylle? tanzt du? rufts aus dem nebenzimmer. vor freude? nee, vor kälte. haha. aber doch: hat was, das geht so weiter, bis mir warm ist. und sagte nicht diese tanztante Roth: wenn du paar wochen lang jeden tag ne halbe stunde kräftig tanzt, nimmst du feste ab, ganz sicher! hm. hoffentlich kommt jetzt nicht gleich die nächste hitzewelle um die ecke geschwappt…

frischluftdrang

Lieblingsplätze,Tagebuch — Sylvia am 20. August 2010  

ich muss schreiben. der text muss raus aus dem kopf, muss fertig werden. er dreht mir viele nasen, haha, fang mich doch. die sonne scheint. und wie. die sonne scheint durch mein fenster, direkt auf den monitor. das gibt kopfweh und schlechte laune. was mach ich hier drinnen? raus, nix wie raus. ab in die straßenbahn, bis laatzen, eine haltestelle vorm agnes-karll. die straße lang, den weg runter bis zum luftbad. sehr hohe bäume, pappeln, irgendwelche weidenbäume, birken, ihre kleinen blätter zittern silbrig im hellen blau des himmels rum. es rauscht mächtig über mir, über meinem kleinen tisch im luftbad in laatzen. sonst ist es still. ich beginne zu schreiben. eine seite ist geschafft. ein schüchternes lächeln schleicht auf meine lippen. verzieht sich wieder. ungefähr 50 oder 60 radlerinnen und radler machen rast und quatschen und ratschen und scharren und wollen schorle und dies und das. dann klingelt mein handy. jemand fragt, ob ich eine katze will. etwas kitzelt an meinem hals. gedankenverloren fasse ich hin – eine wespe tut sich an meinem mittelfinger gütlich. es juckt. und tut weh. und wird dick. das ist fies. ich trinke mein wasser aus und bin schon weg. jetzt ist die sonne rum, hinterm haus. mein monitor spiegelt nicht mehr. ich schreibe. jetzt aber wirklich. nun aber los. das telefon klingelt. eine mail ist auch angekommen. ich fürchte, das dauert heut noch sehr lange.

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http://www.wiesendachhaus-luftbad-laatzen.de/

sommerglut

Bilder — Sylvia am 15. August 2010  

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