SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

wladimir tanzt

Tagebuch — Sylvia am 10. Juli 2011  

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los wladimir! tanz! keiner sagts, alle essen wurst, trinken bier und saufen wodka. einer schüttet sich ahoi-brausepulver in den mund, wodka hinterher, da sprühen die augen. wladimir trinkt auch, nebenbei, das ist nicht so wichtig. wladimir tanzt – swing, rockn-roll, walzer vor sich hin, allein, zu zweit, zu dritt, mal mit dem hund. wer auch immer vorbeikommt und guckt wird gepackt und geschwenkt und geschunkelt. wladimir tanzt. zu seinen füßen auf dem roten teppich drehen sich die schatten der kinderwindmühlen. flocki bellt. wladimir tanzt. alle jahre wieder – in kurzen hosen und muskelshirt zur musik der buddies. oma klatscht in die hände, die kinder kullern über den teppich zwischen wladimirs sandalen herum und lachen sich scheckig. du kaufst mir noch ’ne wurst, die letzte halbverschrumpelte vom gartengrill. ein letztes bier, dann gehen wir, und wladimir tanzt.

schützenliesel2 – im bierzelt

Prosaskizzen,Tagebuch — Sylvia am 9. Juli 2011  

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den kopf muss er nach hinten legen beim sitzen.
wenn er den kopf sinken liesse, würde sich das
fleisch vom kragen her in wellen langsam über
sein gesicht schieben. alle gesichtshöhlungen
würden sich füllen mit dem fleisch,
das ihm gewachsen ist aus kartoffeln, kraut
und braten, litern von bier und korn und lüttjen lagen.
um die überschwemmung und das darauf wahr-
scheinlich erfolgende ersticken zu vermeiden,
muss er den kopf nach hinten legen.
auch beim gehen muss er das tun, zur verlagerung
des schwerpunkts. würde er nicht den kopf nach
hinten legen beim gehen, könnte er nicht die leicht
nach rückwärts geneigte körperhaltung erlangen,
die sein überleben ermöglicht. liesse er seinen
körper nur um ein weniges nach vorn sacken, um die
anspannung zu mildern, hätte das schlimme
folgen:
die bauchkugel würde sich rückhaltlos nach vorn stülpen,
würde den rest mit sich reissen, rundkopf, melonenarme,
keulenbeine, alles, die klotzpranken würden auf der
suche nach halt durch die luft rudern und dabei
nichtsahnende passanten zu fall bringen. die masse
würde über ihnen zusammenschwappen und sie dem er-
stickungstod anheimgeben. durch die wucht des aufpralls
würde der herzschrittmacher des herrn p. zertrümmert,
die auslaufende batteriesäure würde ihm ein brennendes
gefühl im brustraum verursachen, für kurze zeit nur,
und dann wäre es aus mit ihm.
deshalb geht er nicht gern herum, der herr p., vorsichtig
ist er, sitzt lieber tag für tag im bierzelt, den
kopf bedachtsam nach hinten gelegt, und sinniert über
die gesetze der schwerkraft.

stadtflucht – up and away with the kids…

Tagebuch — Sylvia am 9. Juli 2011  

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einmal im jahr haut der kindergarten ab – raus aus der stadt, rein in den wald. beine baumeln auf der bank oder auf der autoreifenseilbahn, waschbärn gucken, kleine salamander finden, regenwürmer, schwarze, rote, braune käfer, stöckertipis bauen, schatzkisten suchen, duschparties feiern, trotz fast-schielens die augen nicht zum schlafen schließen wollen – eine schöne zeit – jetzt aber bin ICH furchtbar müde – gute nacht…

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