SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

neues bei go2go – foto-text-projekt 045

Tagebuch — Sylvia am 27. Januar 2012  

http://go2go.de/

sylle ist im bilde

Tagebuch — Sylvia am 26. Januar 2012  

IMG 8531

yu-ichi, japanischer informeller, 1916 – 1985. http://www.yu-ichi.com/

ein schwarzes zeichen, mit kraft in windesschnelle auf das blatt gebracht. ich stehe und staune, gehe weg und kehre zurück, ein schwarzes zeichen, auf das blatt getanzt, zwischen all den feinen kleinen tuschezeichnungen älterer meister, bambus und chrysanthemen, atemlos durch die säle, mir ist, als hätte ich die ganze zeit die luft angehalten vor all der schönheit, aber nein, ich lebe, ich atme, finde draußen auf gesprungenen gehsteigen, in geplatzten asphaltflächen neue botschaften.

foto-text-projekt go2go 044

Foto-Text-Geschichten — Sylvia am 15. Januar 2012  

foto: Sylvia Hagenbach text: Jürgen Gisselbrecht

Kopie von IMG 7971

Als Räuberhauptmann zögere ich keinen Moment. Ich springe in den reißenden Fluß. Die Krokodile müssen Angst haben, ich wetze meine Zähne. Am anderen Ufer erwartet mich dichtes Gestrüpp, das nach wenigen Metern in den dunklen Eichenwald mündet. Noch wenige Meter …

Ich bleibe stehen, ich zittere. Meine Verfolger sind dicht hinter mir. Ich springe. Es ist doch nur ein alter Bombentrichter, indem sich Wasser gesammelt hat. Meine Schuhe werden naß, die Socken, die Hose – ich versinke. Nein, ich falle mit der Nase nach Vorne in den Matsch. Die Birken lachen. Ich höre meine Verfolger, sie wispern. Ich rapple mich auf, weiter …

 

foto: Jürgen Gisselbrecht text: Sylvia Hagenbach

Juergen-go2go-044

ich hätte gern eine heiße schokolade. – mit sahne? – ja bitte, sagte sie und ging mit leichten schritten zur tür hinaus. auf dem tisch mit den braunen klebrigen ringen zwischen zucker-, salz- und pfefferstreuern stand ihre handtasche. der kellner brachte die tasse und stellte sie dazu. zwischen den tischen tauchte ein kleiner junge auf, mit wackelndem ruckendem gang, so als habe er gerade erst laufen gelernt. die späten sonnenstrahlen ließen sein haar aufleuchten wie eine gloriole. der kellner trat an den tisch und trank einen schluck von der schokolade. der kleine junge wackelte zum fenster, deutete hinaus und rief „da! da! da!“. die leute standen auf und schauten hinaus. es war sehr still geworden. der kellner trank die schokolade aus, dann ging auch er zum fenster. weit draußen zwischen den spiegelnden pfützen, fast schon im meer, legte die frau ihre kleider ab. sie schlug die himmelblaue bettdecke zurück, legte sich in das große braune bett aus holz und deckte sich zu. das möchte ich auch mal, dachte der kellner, so ein bett am meer. er räumte die tasse weg, band sich die schürze ab und ging, immer den pfützen nach, am ohr eine singende muschel.

« Vorherige SeiteNächste Seite »