SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

sie fliegt

Tagebuch — Sylvia am 31. Januar 2014  

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sie fliegt, durch die winterluft, vorbei an bleichem gezweig und gestrüpp, leuchtet noch einmal hell auf, bevor der bogen der flugbahn nach unten zeigt. die canon-ixus landet im weicheren schnee am rand des weges, fast geräuschlos. ein paar schritte entfernt bebt die gefrorene erde. ein schwarzes wolliges etwas prallt auf die gleissende eisige fläche. SCHEISSE! ertönt es kurz darauf. und: AUA! die kleine runde frau sitzt auf ihrem hintern. ein hund, ein schwarz-weiss-gefleckter mischling rennt auf sie zu, schnüffelt, sucht das weite. die frau schaut herum, erblickt im baum über sich eine hose und neben sich gelben schnee. die frau rappelt sich hoch, schüttelt vorsichtig, was an ihr dran ist, murmelt: alles gut, alles gut, scheisse. im schnee leuchtet das gehäuse der ixus. sie macht immer noch schöne fotos.

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eine feine zeit für galeriebesuche: „zeichnung heute“ in der galerie drees

Tagebuch — Sylvia am 30. Januar 2014  

die „blaue stunde“ ist momentan die graue. die dämmerung leuchtet sanft, der schnee gibt ein schönes licht. auf dem hof, der zur galerie drees führt, ist schon die erste zeichnung ausgebreitet. autoreifen haben muster in den schnee geprägt. eisig schimmern sie dir entgegen und du schlitterst darüber hin bis zu den stufen. treppen. steigen. unten eine bilderrahmenhandlung. in der mitte eine agentur für grafik-design. ganz oben, puh, huch, na endlich: die galerie.

die zeichnungen von pia linz http://pia-linz.de/ sind so zart, dass eine lupe bereit liegt, um die feinheiten und die eingefügten notate zu ergründen. verwirrend ist es, sich in eine arbeit hinein zu begeben. die blickachsen ändern sich bei fast jedem wimpernschlag. erst eine extreme draufsicht, dann plötzlich siehst du eine straßenansicht frontal, dann wieder… lohnende au au au augen- und schwerkraftverwirrung.

Gustavo Diaz Sosa http://www.gustavodiazsosa.com/ geht ruppiger vor. von weitem erscheinen seine kohlezeichnungen wie partituren mit noten wie ausrufezeichen oder wie wanderkarten für insektenschwärme. näher dran meint man, gerichtsszenen zu erkennen, sitzende, stehende, rennende menschen, treppen, leitern, stühle. von fern winkt herr kafka. eine bange erwartung scheint über allem zu liegen.

heike jeschonnek http://www.heike-jeschonnek.de/heikebilder/bildergalerie.html zeichnet ihre motive in wachs hinein. die wirkung ist zunächst befremdlich, verwirrend, man möchte vor allem die machart ergründen, möchte die scheiben von den rahmen reissen, um die werke anzufassen, mit den fingerspitzen zu entziffern. die motive selbst wirken banal auf den ersten blick. interieurs, hirsche und menschen, landschaft mit menschen… und ich frage mich: reden sie und wenn ja: was? ich fürchte, dass hier das „wie geht das?“ die frage: „was will das?“ doch sehr überlagert. vielleicht aber ist ein zweiter besuch, ein genaueres schauen angebracht. es sind noch mehr künstler/künstlerinnen vertreten. aber diese drei haben mich rangewinkt – GUCK MICH AN! habs getan und es war gut.

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hey – guckma – mein hut macht frühling

Tagebuch — Sylvia am 30. Januar 2014  

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