SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

kiesteich

Kindheit,Prosaskizzen — Sylvia am 30. September 2014  

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hier tauchten wir nach miesmuscheln als wir kinder waren. auch am steg klebten kleine schwarze grün bewachsene, die knackten, wenn wir drauf drückten. lasst das sagte vater. macht sie nicht kaputt. passt auf eure hände auf. wir gaben dem schwarzen autogummireifen einen schubs und schwammen hinterher. von unten strich manchmal etwas zart und unheimlich an unseren beinen entlang. wir kreischten und paddelten schnell zum steg. dort lagen die handtücher. über spitze steine wackelten wir zur laube. die roch nach alter matratze und holz. der vater zog am eisenring im boden, die kleine falltür klappte auf. hier, sagte er, trinkt ein bisschen brause. die schmeckte nach zitrone und kribbelte in der nase. das war, als wir kinder waren.

 

schade

Tagebuch — Sylvia am 27. September 2014  

eigentlich wollte ich in Metz sein – nun hat mich ein virus erwischt. wenigstens reichte es für ein sonniges stückchen zeit in brüderleins garten in der masch. so ein himmel, so ein duft…

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ich erinnere mich…

Lieblingsplätze,Tagebuch — Sylvia am 26. September 2014  

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es war einmal. oder so. es ist lang her, aber es ist kein märchen. im nachhinein aber – irgendwie doch. die bewegungen durch die galerienszene chelseas brachten nach und nach die erinnerung wieder. die galerie in hannover-döhren. erst ein kleiner raum, dann kamen noch zwei dazu. drei junge bis mitteljunge leute (später warns dann vier) und die kunst. etwas irre scheint es heute aus weiter ferne. irre aber gut. einer der arrivierten galeristen hannovers kam rein, guckte sich um, sprach: „sehr mutig“ und ging wieder.

wir hatten uns beworben. um die teilnahme am Kunstmarkt Hannover, den es damals noch gab. natürlich nahmen sie uns nicht; was hier lief, erschien vielen strange. na gut, dann eben anders sagten wir uns. holten uns die erlaubnis von der stadt, zeitgleich ein zelt in der innenstadt aufzustellen.heut frag ich mich: wer hatte da den mut, das zu gestatten? direkt vorm opernhaus! in der guten stube der stadt!

„KUNSTZELTRALE“ nannten wir das projekt. drinnen waren gemälde, zeichnungen, skulpuren „unserer“ künstler zu sehen. leute kamen und guckten, zwei tage, abende und nächte lang. wir haben im zelt übernachtet. als wir morgens rausguckten, fuhren lauter trabis auf der georgstraße. ziemlich blöd müssen wir aus der wäsche geschaut haben. wir hatten die nacht der grenzöffnung verpennt und konnten es kaum glauben.  es war ein „feierliches“ wochenende! die Zeltrale hatte zulauf, war geglückt, die mauer war runter, wir waren perplex und auch etwas stolz und glücklich.

in unserem „laden“ in döhren durften künstler vieles – nicht nur ganz „klassische“ arbeiten waren zu sehen. einer kam aus seiner landkommune, brachte strohballen mit, darauf ruhte seine skulptur aus schwarzem stein. der bully spuckte rauchschwaden von räucherstäbchen in die vorstadtstraße, in einer tonne brannte ein feuerchen. einmal schweisste eine bildhauerin einen eisernen rostigen fluss durch die drei räume. einer schlug den putz von der wand und brachte erde darauf.

ganz junge und später sogar etablierte künstler tummelten sich. nachbarn kamen rein, kriegten nen kaffee, sagense mal, was soll denn das da jetzt? streitgespräche, reden, begegnungen. musiker spielten, tänzerinnen tanzten als antwort auf die kunstwerke im laden. vorträge, workshops, diskussionen, feiern. es war nicht cool. es war nicht clean. es war lebendig.

schön, dass alles so frisch wieder da ist. ich krame in der schublade mit den zeitungsartikeln und anderen andenken. schon so lang her das alles… aber wir hams getan. danke Marlene! danke Matthias! danke Peter! und danke auch an „meinen“ Peter! und an alle anderen „irren“…

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