SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

neuer schild

Tagebuch — Sylvia am 27. August 2015  

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das war

Tagebuch — Sylvia am 27. August 2015  

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das war, bevor die blätter kamen. nun sitzt er verborgen, sinnend, lauschend, so kommt es einem vor, aber natürlich ist es nicht so. aus stein gemacht, jedes federchen fein gearbeitet, alles da, flügel, kopf, gewand, hand. finger ineinandergeflochten, alles aus stein. nichts hört und sieht der engel, nicht das huschen und toben der eichhörnchen, nicht die katze, die leise klagt. nicht die schritte der stillen grabbesucher, nicht das weinen, nicht die witze der gärtner, nicht den bagger, der ein frisches grab aushebt. manchmal erzähl ich ihm was. ich weiss, er tratscht nicht.

fischfrisch

Tagebuch — Sylvia am 24. August 2015  

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ein tag am teich. träge hängen die gäste auf den stühlen und lauschen dem geplätscher. die tiere bewegen sich sacht unterm wasserspiegel. scheinen still zu stehen, dann wieder einem unhörbaren kommando zu folgen, schießen davon, ein langer bunter strich im grünen blau. weit oben am himmel die flugzeuge glitzern, brummen, verschwinden in wolken. da schau, die störche! sie sind im landeanflug, von ganz nah sehen wir ihre roten beine, die schnäbel, die weissen bäuche, die schwarzen federspitzen. hunderte mögen es sein, die im nahen naturschutzgebiet wohnen, sagt der hausherr. er stellt sich an den rand des teiches. kommt, meine schönen! ruft er und wirft futter. die klare stille oberfläche zersplittert in flirrende tropfen, brodelnde ringe, eine große fischwelle, die zum ufer drängt. nicht lang danach wieder ruhe, plätschern, schweigen.

 

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