SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

komm tanzen

Tagebuch — Sylvia am 31. Mai 2016  
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wir gehen über den hof zu der versteckten tür, die treppe rauf, betreten einen raum, halb küche, halb wohnzimmer, stehen etwas verloren, finden endlich den aufführungsraum, direkt dahinter. nur ein paar stuhlreihen, nix großes, das kommt später. vorn, ganz an der wand zusammengeknäuelt liegt ein großes tuch. schlägt expressive falten, gesichter entdecke ich darin, verknautschte körper.

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wir beginnen um 20 Uhr, sagt eine schlanke frau. dann kommen sie rein, schwarz und weiss gekleidet. sofort zeigt sich eine starke präsenz  bei allen tänzerinnen und tänzern. sie bewegen sich durch den raum, zeigen sich solo oder im gefüge der compagnie. mal mit, mal ohne musik . das tuch wird zum weg, zum fluss, zur umhüllung, zur verkleidung. zum objekt des begehrens, nach dem gehascht wird, verstohlen oder schüchtern, dreist oder gebieterisch. szenen entfalten sich, geschichten vom alleinsein und all-eins-sein, körper verknoten sich, lösen sich, bilden gruppen, fallen, stehen auf, drehen ein und aus. stimmen. fragen erheben sich: wie will ich leben? so? oder so? als herdenmensch im schutz der gruppe – oder lieber so: ich mach mein eigenes ding, meinen eigenen tanz. sie löst sich aus den immer gleichen, fast militärisch anmutenden bewegungsabläufen des einen bildes, tanzt sich frei, rückschläge inbegriffen, hinfallen, aufstehen,  selbst sein. und wieder drin sein. schnell wechseln die bilder, wechseln sich ruhige, aufmüpfige, expressive, fast statische szenen ab. die hände, die füße, die körper, die gesichter – alle jenseits der 50. dennoch jung in ihrer begeisterung, ihrer puren freude, ihrem stillen staunen. im publikum kein hüsteln, kein räuspern, kein rascheln. fast atemlos schauen wir, lassen wir uns einfangen. dann löst sich der bann in einem wilden beifall, tänzer schwitzen, publikum schwitzt. alle glücklich.

http://www.das-tut.de/de/programm/2015/04/10/Golden-Age—Ein-Tanztheaterprojekt-jenseits-der-50-1473

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hellwach

Tagebuch — Sylvia am 29. Mai 2016  

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grasgrün

mohnrot

peng

hellwach!

ach!

 

 

 

LiebeLeben

Tagebuch — Sylvia am 28. Mai 2016  

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über ein ungewöhnliches und bewegendes konzert möchte ich noch berichten. „Sari Gelin – Braut der Berge“ – Liebeslieder des Orients.

es ist zwar schon eine Woche her, aber es gibt noch zwei veranstaltungen in Bremerhaven (11.6.) und Hildesheim (26.6.)  wer die gelegenheit hat – bitte unbedingt hingehen!

daten unter http://www.ensemble-megaphon.com/aktuelles/

wer die Markuskirche nur als gottesdienstraum kennt, durfte staunen. an diesem abend dominiert der kreis. nicht vorn spielt die musik, sondern in der mitte und rundherum. unter den großen runden lampen sitzen die musiker im kreis. in kreisen, denn es sind mehrere. im kreis drum herum das publikum. einen abend lang geht’s um die liebe. vordergründig könnte man sagen, es sind halt liebeslieder, ja, na und. schön und weiter?

ja, schön! die musik greift unmittelbar nach mir; die liebe, die liebe, ist das die liebe, das hämmernde herz, das rosarote blutigrote tiefschwarze herz, melancholisch, inbrünstig, überquellend, treibend, jauchzend, weinend, klagend, triumphierend? die klänge strömen durch den raum, in mich hinein, durch mich hindurch, es ist wie ein bad im strom des lebens. einmal sitzt du auf einem wilden pferd, stürmst dem liebsten hinterher, der – ach und ach – weit entfernt in fremdem land weilt. oder du liegst in einer blumenwiese und lauschst dem gesang der frühlingsvögel, kauerst in einer dunklen höhle, den kopf in den armen verborgen und hörst dein herz klopfen, weil der liebste draußen nach dir singt und du dich nicht traust… du liegst in seinen armen, er reisst sich los, davon, davon…

so vielschichtig und widersprüchlich wie das leben, so vielgestaltig und reich sind die facetten der musik, die diesen abend so berückend macht.

musiker aus vielen kulturen sind hier zusammen und beschwören die kraft und die magie der liebe:

viola, violine, violoncello,

bouzouki, santour, daf, tar

kamancheh, tonbak, tonbak, oud

und stimmen stimmen stimmen

solisten und chöre

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unterschiedliche menschen unterschiedlicher herkunft sind hier versammelt, die musiker, das publikum. doch mir scheint an diesem abend sind sie vereint in dem magischen kreis, den die musik wie eine zauberin um sie zieht.

die gemeinsame sprache ist die musik. das gemeinsame anliegen ist die verständigung über grenzen hinweg. auch geflüchtete waren eingeladen. sie kamen und lauschten und wir begeisterten uns alle gemeinsam am geschenk dieses abends. die gemeinsame sprache ist der klang der liebe.

we are the champions – of love? es wäre schön, wenn es so wäre. Es wäre schön, wenn es so bliebe.

Mitwirkende:

Ensemble Megaphon

Ibrahim Keivo

Kaveh Madadi

MarkusChor der Markuskirche Hannover

Chor Michaeliskloster UNICANTO

Kammerorchester Junge Streicher der Musikschule der Landeshauptstadt Hannover

Ensemble Gohar

Künstlerische Leitung: Lenka Zupkovà

 

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