SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

wartezimmer

Tagebuch — Sylvia am 18. Juni 2018  

stille dramen bahnen sich an. fast unbemerkt. ein beiges, ein graues jackenteil nach dem anderen besetzt die leise klingelnden kleiderbügel. die jackenbesitzer, gekleidet in beige oder grau warten mit wippenden füßen. zwei fußknöchel wippen in ringelsocken, regenbogenfarben. die wirkung ist frappierend. ein leichter windstoß setzt die bügel in bewegung, ein schaukeln, ein schunkeln setzt ein. da! eine hellbeige strickjacke schleicht sich frech immer näher zum schwarzen existenzialisten  hin, stupst ihn sanft am ärmel. die fußwippende graubeige leserschaft von Gala, Spiegel, Focus merkt nichts. vielleicht ist es besser so.

skizzen

Bilder,Tagebuch — Sylvia am 10. Juni 2018  

alter, ey!

Tagebuch — Sylvia am 6. Juni 2018  

wir fahren straßenbahn. bleiben stehen für die eine haltestelle. der mann an meiner seite – graubärtig, weisshaarig, hübsch, mit verschmitzten jungsaugen, spricht weises. plötzlich hängt er sich mit beiden händen in die halteschlaufen, zieht sich hoch, wie beim turnen, hebt die beine ganz schön an – und stupst damit  ganz leicht gegen die tür. dem jungen muskelkerl, der schräg gegenüber sitzt, bleibt der mund offen stehen. fast glaube ich, wären wir noch weiter gefahren, hätten wir auch noch seine augen aus den höhlen und über die gänge kullern sehen. völlig konsterniert. alter!

schon im haus, können wir uns noch immer nicht einkriegen vor lachen und schaffen die treppe nur mit unterbrechungen.

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