SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

zwangsteilhabe

Foto-Text-Geschichten — Sylvia am 27. Mai 2009  

nacht

die scheinwerfer an und ein zartes tiefes saxgeblubber, der bass hängt sich dran, dubabdubabb, auch die trompete hauchheiser und gerade schwingst du dich mit rein da rapprapprapprapprapp am linken ohr rapprapprapprapp und ein warmer salzstangenatem, ein bröseliger warmer salzstangenatem … die musiker würdens schaffen, glatt, mich reinzuzieh’n aber rapprapprapp, wär’s noch im off-beat, aber nein, alles völlig neben der spur und selbstvergessen. am rechten ohr mjämjämjägnatschchewinggum, zähne fleissig raufrunter bei offenem mund mjämjämjä nun ich, mit dem bier die schnellen schlucke aber hilft nicht rapprappmjämmjäm okay dann nicht. zum glück geh’n die salzstangen aus und endlich siegen sax, bass, keyboard, e-gitarre, trompete, horn, herrlich. ich bedümpelt zum bus, in die nacht geschaut und die lichter betrachtet, da gnatschgnatschgnatsch einer frisst aus der folie was vom chinesen mjämmjäm und die curryschwaden mit fleischgeruch und einer puhlt aus seinen zähnen noch die reste von gestern zwietschzwietsch, isst sie mit behagen und rülpst. ah meine hörriechorgane sind wundgeschwollen, meine sehsterne kariert und ich stöpsel mir die ohren zu, setz die mondbrille auf tief in der nacht und klemm meine nase zwischen daumen und zeigefinger. im traum hör ich seh ich riech ich

endlich

nix mehr

Blattgold

Foto-Text-Geschichten — Sylvia am 17. Mai 2009  

blattgold

Die Haut reinigen. Die Gurkenscheiben darauf legen. Sie sind kühl und sie duften nach Sommersalat und mein Atem fliesst ruhig aus meinem Mund. Im Zimmer unter mir werden Duette gesungen. Mein Lieb mein Lieb. Und mein Vogel fliegt auf, davon, Richtung Westen und er fliegt durch den Staub und den Dreck bis an den Rand der westlichen Welt wo bald das östliche Licht beginnt und es legt sich auf die goldenen Schatten im Jenseits, doch im Jenseits gibt es keine Schatten, so habe ich es gelesen. Sind es also Scherenschnitte? Goldene Kreise auf ihren Köpfen. Sie schauen dich an mit Taubenaugen, mild, mit erhobenen Zeigefingern, als wollten sie sagen: horch, lausche, hörst du nicht das Brausen der Ewigkeit? Wie Gras ist der Menschen Fleisch. Ich höre nichts mehr. Die Sänger unter mir sind verstummt und ich nehme die Gurkenscheiben von meinem Gesicht. Es ist kühl und feucht und es duftet nach Sommersalat und ich fühle, es strahlt, hell von diesem inneren Gold.

husten

Foto-Text-Geschichten — Sylvia am 30. März 2009  

husten

husten kann sogar ein echo machen. dieser
nicht. er ist eingepackt in schafwolle und packpapier,
hat nicht genug raum zum flattern, donnern,
brüllen. der arme husten ist geschwächt,
der kampf wird schon geführt, es hagelt abreibungen,
bonbons, inhalationen. er zuckt kaum noch. er stirbt.
der husten stirbt. und die lunge stirbt bald weil der motor
fehlt. es ist traurig und tragisch aber der husten ist zu schwach,
vibriert nicht, kann den brustkorb nicht stark machen öchöch.
ach. vielleicht eine halbe minute hat er noch zum leben.
mehr nicht. vielleicht sollte ich mal wieder eine rauchen.

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