SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

am rhein

Foto-Text-Geschichten,Fotos,Geschichten — Sylvia am 15. April 2018  

am Rhein spielen sich geschichten ab, schwingen sich finger und faltenwürfe über – ein ei? ein brot? ich schlich ganz herum um das bronzene rätsel, betastete es, schlug vorsichtig darauf. vielleicht würde das ei das brot das gebilde aufspringen und ein küken oder eine erklärung hervorbringen. doch nichts geschah – außer einem hellen seltsamen ton, der den Rhein entlang lief und nicht zurück kam. ich suchte nach einem schild, einer erklärung, einem zettel, einem buch. schließlich fand ich eines mit einem gelben umschlag. der titel war nicht mehr zu entziffern. anscheinend war dem buch viel unheil geschehen, schrammen, knicke, eselsohren. da nahm ich es auf und begann zu lesen. die buchstaben schwammen auf wellen, auf und ab wurde getanzt. da gab ich das lesen wollen auf und freute mich am spiel des auf und nieder, der schatten und der lichtpunkte. es war fast genau so, wie über den Rhein zu schauen. nur papierner, raschelnder, geheimnisvoller. auf der letzten seite entdeckte ich einen bleistiftstrich, den einzigen im ganzen buch, unter den worten: „… am Rhein spielen sich geschichten ab“.

das gelbe2

Fotos,Tagebuch — Sylvia am 2. April 2018  

M Train

Fotos,Tagebuch — Sylvia am 21. Februar 2018  

 

seit tagen reise ich im M Train, sitze in New Yorker Cafés  und anderswo. sitze neben einer dünnen frau mit langen dünnen grauen haaren und bewundere sie. sie schreibt in ihre hefte, manchmal schnell, fieberhaft, ohne abzusetzen. dann wieder zögernd, mal seitenlang nichts. sie schaut krimis im fernsehen, trinkt kannenweise kaffee, erinnert sich, träumt, macht polaroids. sie trifft freunde auf japanischen friedhöfen, sinniert, sehnt sich, liest. die lektüre macht süchtig, berauscht. ich lasse mich hineinfallen in ihre welt und es ist ein wenig so, wie sie selbst es beschreibt: sie versinkt und taucht so tief ein, dass sie das gefühl hat, darin zu leben. so ergeht es mir gerade mit:

Patti Smith „M-Train“

leider weckt es auch stark die reiselust. der von fern winkende frühling tut ein übriges…

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