SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

frischluftdrang

Lieblingsplätze,Tagebuch — Sylvia am 20. August 2010 um 15:45  

ich muss schreiben. der text muss raus aus dem kopf, muss fertig werden. er dreht mir viele nasen, haha, fang mich doch. die sonne scheint. und wie. die sonne scheint durch mein fenster, direkt auf den monitor. das gibt kopfweh und schlechte laune. was mach ich hier drinnen? raus, nix wie raus. ab in die straßenbahn, bis laatzen, eine haltestelle vorm agnes-karll. die straße lang, den weg runter bis zum luftbad. sehr hohe bäume, pappeln, irgendwelche weidenbäume, birken, ihre kleinen blätter zittern silbrig im hellen blau des himmels rum. es rauscht mächtig über mir, über meinem kleinen tisch im luftbad in laatzen. sonst ist es still. ich beginne zu schreiben. eine seite ist geschafft. ein schüchternes lächeln schleicht auf meine lippen. verzieht sich wieder. ungefähr 50 oder 60 radlerinnen und radler machen rast und quatschen und ratschen und scharren und wollen schorle und dies und das. dann klingelt mein handy. jemand fragt, ob ich eine katze will. etwas kitzelt an meinem hals. gedankenverloren fasse ich hin – eine wespe tut sich an meinem mittelfinger gütlich. es juckt. und tut weh. und wird dick. das ist fies. ich trinke mein wasser aus und bin schon weg. jetzt ist die sonne rum, hinterm haus. mein monitor spiegelt nicht mehr. ich schreibe. jetzt aber wirklich. nun aber los. das telefon klingelt. eine mail ist auch angekommen. ich fürchte, das dauert heut noch sehr lange.

IMG 1878

http://www.wiesendachhaus-luftbad-laatzen.de/

café am archiv

Lieblingsplätze — Sylvia am 16. Dezember 2008 um 23:34  

waterloo

die frau ging, als sei sie ein
zartes gefäss, bis zum rand gefüllt
mit teurem wein, sie ging als hätte
sie angst, auch nur den kleinsten
tropfen davon zu verschütten. ihr gesicht
war ein kindergesicht, ein altes kindergesicht;
stumpfe augen, als hätte ein grobes sand-
papier allen glanz heruntergeschmirgelt
und nur in den augenwinkeln ein wundes
schimmern zurückgelassen. wirres
undinenhaar, wolkiggrau wie pappelschnee.
sie stellte sich still an einen der tische,
legte ihre hände auf die platte aus plastikmarmor
und neigte lauschend den kopf. behutsam
trat der wirt an ihren tisch und stellte
einen becher heisse milch vor sie hin.
sie lächelte fern und fragte: “wie haben
sie mich hier nur gefunden?”

http://www.cafe-am-archiv.org/

stadtbücherei, kunstabteilung

Lieblingsplätze — Sylvia am 1. Februar 2007 um 17:20  

bücherei1

 

bücherei2

Nächste Seite »