SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

kiesteich

Kindheit,Prosaskizzen — Sylvia am 30. September 2014  

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hier tauchten wir nach miesmuscheln als wir kinder waren. auch am steg klebten kleine schwarze grün bewachsene, die knackten, wenn wir drauf drückten. lasst das sagte vater. macht sie nicht kaputt. passt auf eure hände auf. wir gaben dem schwarzen autogummireifen einen schubs und schwammen hinterher. von unten strich manchmal etwas zart und unheimlich an unseren beinen entlang. wir kreischten und paddelten schnell zum steg. dort lagen die handtücher. über spitze steine wackelten wir zur laube. die roch nach alter matratze und holz. der vater zog am eisenring im boden, die kleine falltür klappte auf. hier, sagte er, trinkt ein bisschen brause. die schmeckte nach zitrone und kribbelte in der nase. das war, als wir kinder waren.

 

aus dem busfenster schauen

Prosaskizzen — Sylvia am 8. Januar 2012  

die frau mit den roten verquollenen augen stand in ihrem garten. sie hatte die arme über der brust verschränkt. das gartentor stand weit offen, schleifspuren führten hinaus über die straße bis zu dem stück roten sandes, auf dem eine riesige tanne lag. die rötliche schnittfläche zeigte zur gartentür. männer in königsblauen westen schlugen die äste vom baum.

beschreibung – weisse aster

Prosaskizzen,Tagebuch — Sylvia am 13. September 2011  

wie peitschenlampen verneigen sich kühle schmale
blütenblätter vor der mitte. rund. ein giftgelber tümpel, in dem
sternensonnen sprühen. wenn ich die augen zukneife, sehe ich
einen fransigen bagel mit viel weissem zuckerguss. oder den kopf eines
rundlichen mönches von oben, gelbe kopfhaut, weisses
plusterhaar. die kühle weissheit knistert köstlich
unter meinen fingern. dieses ganze runde albinokükenwunder
faltet sich auf aus einem grünen stängel, der in einen spinnen-
ähnlichen körper mündet. wenn ich über das grün streiche denke
ich an die unrasierte wange meines vaters.

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