SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

heute

Tagebuch — Sylvia am 13. November 2018  

auf meinen wegen durch die stadt entdeckte ich auf einem wohnmobil diese worte:

ja. dachte ich. genau so! warum nur vergesse ich das immer wieder?

der große kirschbaum im hof trägt stolz die letzten vergoldeten blätter. im fenster gegenüber spiegelt sich die verbliebene pracht. noch immer dieses leuchten, heute gar durch das trübe novemberlicht, ganz ohne sonne, die gestern (foto) alles so zum strahlen brachte. HEUTE! denke ich. JETZT!

kikeriki

Tagebuch — Sylvia am 7. November 2018  

die goldmarie war unterwegs. alles leuchtete ganz überirdisch. kaum konnte ich mich losreissen. als ich heimkam fühlte ich mich völlig vergoldet, äußerlich und innerlich. hoffe ich kann, wie Frederick, etwas davon in den winter retten…

dorfkrug heute

Tagebuch — Sylvia am 4. November 2018  

beim wandern durch die herbstliche Leinemasch erreichen wir den ort K. es ist warm genug, sich eine bank für die rast zu suchen, doch da – entdecken wir den dorfkrug. Dorfkrug steht dran. ist auch Dorfkrug drin? es ist ein helles, sachliches gebäude mit flachdach, rechts ein kioskfenster.

dorfkrugtür. der versuch, sie zu öffnen, schlägt fehl. enttäuscht wenden wir uns ab. da geht sie auf, eine frau mit kopftuch schaut heraus, lacht und sagt: „kräftig ziehen! nicht gleich aufgeben!“ es ist warm. es ist sachlich. an den fenstern stehen tische und stühle. immer vier stühle um einen tisch. die speisen- und getränkekarte verspricht bodenständiges. currywurst brot, currywurst pommes, currywurst kartoffelsalat. zwei buletten mit brot, zwei buletten mit pommes, zwei buletten mit kartoffelsalat. auch schnitzel. auch salat. an den fensterlosen wänden hängen spielautomaten. ein großer Bildschirm, darauf zappeln fußballspieler. ganz links ein dartspiel. ein mann sitzt da und trinkt ein weizenbier. ein mann mit hund kommt rein. Der mann bestellt ein weizenbier. der hund guckt traurig. ein mann ohne hund kommt rein. er bestellt ein weizenbier. die männer hecheln die liga durch. einer will noch in den baumarkt.

wir trinken unser alkoholfreies weizenbier und schauen zu. die spielautomaten dudeln. es ist fast wie früher. nur rauchfrei. auch fehlt der obligatorische stammtisch. die schweren braunen tische und stühle. die vernebelte luft. das bild vom hirsch oder vom seebären oder von der schwarzen Barbara. aber das geweih ist da. und ein bunter puschel. das ist doch mal was! wir haben uns wohl gefühlt. obwohls nicht war wie früher.

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