SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

strawberry marks

Foto-Text-Geschichten,Tagebuch — Sylvia am 7. März 2010  

engelmitspiegel

letzte nacht john lennon im radio gehört, let me take you down, ‚cause I’m going to… schön war’s love und flashback und alles; weiss nicht, wieso ich da hin geriet plötzlich, nachts aus meinen laken gewickelt, nicht erdbeerfelder, mehr strawberry-marks, feuermale; der salamander reckte sich und ich lief, es war eine sternklare nacht, ja, der grosse wagen klirrte im milchstrassengesumm und john war in meinem hinterkopf als ich abhob, in den himmel dachte ich, jetzt direkt in den himmel und los fuhr der grosse wagen, dahin, ohne mich, und über tausend stufen kam ich der erde näher, und jede der tausend, jede einzelne der tausend küsste mich
wund bis ich am boden war. nun liege ich und brenne, schaue den feuermalen zu,
sehe sie blühen, rot, blau, grün, strawberry-marks, strawberry-marks im winter.

sagen sie…

Foto-Text-Geschichten,Fotos — Sylvia am 1. Juni 2009  

sagen sie nichts

vielleicht ist es besser so… vielleicht aber verstockt auch das unerwiderte so sehr den natürlichen fluss ihrer sprache, dass sie gerinnt oder nach innen rennt und womöglich dort ein größeres unheil anrichtet, als wenn sie das nächste mal alles sagen, was ihnen in den sinn kommt. es könnte natürlich ebenso geschehen, dass die ansprache ihre sprache derart anmacht, anfacht, entzündet, dass sie nicht mehr aufhören können zu reden und dass es dann endet wie mit dem grießbrei, der einfach über tisch und bänke, durch zähne und zäune quillt und dann – dann haben wir ihn, den wortsalat, das wortragout, den wörterwald, den undurchdringlichen. dann wäre es vielleicht doch besser, wenn sie gleich gar nichts sagen. oder auch nicht.

zwangsteilhabe

Foto-Text-Geschichten — Sylvia am 27. Mai 2009  

nacht

die scheinwerfer an und ein zartes tiefes saxgeblubber, der bass hängt sich dran, dubabdubabb, auch die trompete hauchheiser und gerade schwingst du dich mit rein da rapprapprapprapprapp am linken ohr rapprapprapprapp und ein warmer salzstangenatem, ein bröseliger warmer salzstangenatem … die musiker würdens schaffen, glatt, mich reinzuzieh’n aber rapprapprapp, wär’s noch im off-beat, aber nein, alles völlig neben der spur und selbstvergessen. am rechten ohr mjämjämjägnatschchewinggum, zähne fleissig raufrunter bei offenem mund mjämjämjä nun ich, mit dem bier die schnellen schlucke aber hilft nicht rapprappmjämmjäm okay dann nicht. zum glück geh’n die salzstangen aus und endlich siegen sax, bass, keyboard, e-gitarre, trompete, horn, herrlich. ich bedümpelt zum bus, in die nacht geschaut und die lichter betrachtet, da gnatschgnatschgnatsch einer frisst aus der folie was vom chinesen mjämmjäm und die curryschwaden mit fleischgeruch und einer puhlt aus seinen zähnen noch die reste von gestern zwietschzwietsch, isst sie mit behagen und rülpst. ah meine hörriechorgane sind wundgeschwollen, meine sehsterne kariert und ich stöpsel mir die ohren zu, setz die mondbrille auf tief in der nacht und klemm meine nase zwischen daumen und zeigefinger. im traum hör ich seh ich riech ich

endlich

nix mehr

« Vorherige SeiteNächste Seite »