SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

ich habs an den ohren

Tagebuch — Sylvia am 2. Februar 2009  

porträtmin-saporträt von min-sea

 

seit einigen jahren arbeite ich im kindergarten.
nie hatte ich probleme mit meinen ohren. heut’ aber machte sich der doktor daran zu schaffen, mit einem gerät, das ein bisschen wie ein korkenzieher aussah. ich hatte über ein merkwürdiges summen geklagt,unendlich tief in meinen ohren, ganz fern, doch lebhaft, ähnlich dem geräusch eines belebten bienenstocks. der doktor hantierte und drehte, ich hörte sogar durch das summen hindurch einen
fluch. er zog und drehte und ich begann schon, um seine herzkranzgefässe zu fürchten, da löste sich plötzlich mit einem lauten knall etwas in meinem ohr, der doktor flog an seinem korkenzieher klebend quer durch den raum und aus meinem ohrloch schoss ein schwall von stimmen sylviasylviasylviakannstdumireinenknotenbindensylviaeinekronebasteln-
denklebergebensylviaichmöchteeinbildmalensylviaichmussmalpipisylviasylviasylvia,
der ganze raum vibrierte von kinderstimmen. ganz klar, ein stimmenstau,
krächzte der doktor in seiner ecke, in der hand den korkenzieher, an dem wie
an einem band tausende sprechblasen tanzten und schliesslich wie ermattete
luftballons den ganzen fussboden bedeckten.

7 Kommentare »

Kommentar by Kerstin

4. Februar 2009 @ 17:02

Ja so kann es kommen aber wenn daraus eine so gelungene Geschichte wird, dann dürfen die Lütten ruhig damit weiter machen ;-)

Kommentar by sylvia

4. Februar 2009 @ 19:51

hmhm!;-)))

Kommentar by Hermann Josef

8. Februar 2009 @ 14:52

Liebe Sylvia,
ich habe seit langem einen leicht schrägen Wachtraum … irgendwann platzt mein Kopf und alle Kennwörter, Geheimzahlen und Zugangsziffern fliessen hinaus und überfluten den Tag ;-)
Liebe Grüsse und hab’s gut.
Hermann Josef

Kommentar by Dietmar

12. Februar 2009 @ 12:15

stimmt, das mit den Stimmen, als hätten die Hände und Füße zum Festhalten, Saugnäpfe unter den Ballen. Die
wachsen ihnen wohl zu beim Sausen durch Hörgang und Ohrmuschel.Bewegen sich schwindelfrei im Innenraum, irgendwo zwischen Zwerch- und traktiertem Trommelfell, klammern, setzen ihr schrilles und gellendes Tönen ohne Vorwarnung ein, allegrissimo, losgelassen, ausgelassen, nicht unbedingt ansteckend,
aber am liebsten immer alle zugleich …

Kommentar by sylvia

12. Februar 2009 @ 12:26

;-) ))
genau so!

Kommentar by carola joswig

22. Februar 2009 @ 11:22

Hi,hi,
habe mich köstlich amüsiert. Aber nun, wo die Stimmen aus dem Ohr heraus sind hüpfen die kleinen Sätze und Stimmchen munter herum und landen zum Glück hier auf Deiner Seite…..dideldei.

Dir einen feinen Sonntag und liebe Grüße
Carola

Kommentar by sylvia

22. Februar 2009 @ 12:27

heyyyyy! Carola!
da bist du wieder! ;-) ))
fein!!!

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