SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

literarische tapas

Tagebuch — Sylvia am 4. Juli 2013  

die dicken schinken, selbst die schlankeren unter den romanen, lassen sich derzeit noch nicht genüsslich verschnökern. das lesen funktioniert häppchenweise, mit vielen pausen bis zur nächsten kleindelikatesse. aber wie köstlich können solche tapas sein! jetzt ist es ein schön gestalteter band aus dem dtv-verlag „Aus der Ferne Auf der Kippe“ von Wilhelm Genazino, der mir viel vergnügen macht. der band, ja, wie schön er ausschaut mit den vier alten postkarten, die auf dem umschlag zusammengestellt sind, die mitte dieser bilderblüte ist eine lila farbfläche, auf der verlag, autor, titel genannt sind. der Genazino, ja, weil ich seine prosa schon lange sehr schätze. hier beschäftigt er sich mit alten fotopostkarten, die er auf flohmärkten und in antiquariaten aufstöbert, erwirbt und seiner sammlung einverleibt. und stöbern – das tu ich jetzt auch. schlag es irgendwo auf, das buch – schau wie schön! ganz entspannt, einander gegenüber, lagern text (auf der linken seite) und foto (auf der rechten seite). Genazino betrachtet das foto genau, beschreibt was er sieht, assoziiert, erinnert sich, stellt sich selbst spannende fragen, mutmaßt, verwirft, zieht die leserin immer tiefer hinein in dieses spiel. was macht die badewanne auf diesem schraddeligen hinterhof? wer hat sie ausgesetzt und warum? wie verhält es sich mit dem aussetzen von badewannen an sich? auf wen warten die leeren stühle? was haben sie mit kultur zu tun? wem macht der anblick eines geöffneten fensters, von außen betrachtet, angst? und wieso?
es macht viel vergnügen, mit diesem autor die fotos zu betrachten und durch die seiten zu spazieren. und macht lust, selbst mal ein solches projekt anzufangen.

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das ist nicht aus dem buch – das bin ich mit meinem freund hänschen – könnte aber sein…

4 Comments »

Comment by Sonja

4. Juli 2013 @ 23:51

So, nun ist mir wieder ein Buchfloh ins Ohr gesetzt…will ich haben.
Erzählanlässe noch und noch…
Einmal erlebte ich, wie eine sich vorher nicht kennende Menschengruppe schnell in „tiefe“ Gespräche kam, da lagen nämlich im Raum solche Bilder auf Postkarten- jeder sollte sich zwei aussuchen- und `ne Weile überlegen, wieso gerade DIE- und dann drüber erzählen, hach, das war SO gut…

Comment by sylvia

5. Juli 2013 @ 08:55

an diesem buch wirst du gaaaaaanz sicher auch deine freude haben, Sonja;-))).

Comment by Hermann Josef

9. Juli 2013 @ 20:33

… und bei allem berührt Deine eigene „Postkarte“ 🙂

Comment by Sylvia

10. Juli 2013 @ 08:46

lieber Hermann Josef, danke dir. es ist schön, dich hier zu begrüßen:-)))

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