
horch! die flocken fall’n
ganz leis‘ auf rotes fell. schau –
feiner heller schnee!

horch! die flocken fall’n
ganz leis‘ auf rotes fell. schau –
feiner heller schnee!

oft zeigt sich beim gehen durch die stadt, dass es noch eine andere welt gibt, in der konturen nicht scharfe grenzen sind, sondern ins fließen geraten. ein zufälliger blick, nur ein stückchen mehr links oder rechts vom weg – schon flimmerts, swingts, die exakten geraden beginnen den tanz. schaut nur auf die scheiben der autos, dann wisst ihr, was ich meine.
schön! jetzt ist er da, der schnee. natürlich erst, nachdem wir nicht mehr dort sind, wo wir ihm zu begegnen hofften. so was!
https://www.dobel.de/gaeste/webcam/
ein paar flöckchen rieselten heut morgen auch hier bei uns im Norden herab. ach was. rieselten nicht. einzelne kleine kalte pünktelchen waren es. in den eisigen wind geschüttelte pünktelchen, die schon wieder verschwunden waren, als wir aus der straßenbahn stiegen.
was blieb, ist der wind, der eisige. fasste mich an auf dem balkon, als ich gucken wollte, was da los ist. nix ist los, rein gar nix. nur die tannenzweige im balkonkasten wedeln wild. die straße ist leer. ich höre etwas rufen. von drinnen. aus dem kleinen zimmer mit den bücherstapeln. mein sofa. mein schönes rotes sofa.

„sag mal kommst du jetzt endlich? wie lange willst du denn noch da draußen rumkramen?“
gut, ich komme ja! zu Michal Ksiazek. der erzählt von der „Straße 816“. auf der wandert er durch den osten Polens, nahe der grenze zu Weissrussland.
erst konnte ich nicht mit, es geht ja gar nicht voran! dachte ich, zielgerichtet. jetzt aber bin ich drin und dabei. an den schreibstil musste ich mich erst gewöhnen. bilder sinds. keine wegbeschreibung. worte, die manchmal zünden wie ein feuerwerk, manchmal kribbeln und bitzeln wie brausepulver im rückgrat. bilder von orten, von menschen, von vögeln, vom fluss. von behausungen, menschlichen und vogeligen. begegnungen. erzählungen. die geschichte. und gerüche sind da. und wie sich etwas anfühlt unter den sohlen. unter den händen. und da sind insekten, die sich durch bücher fressen. wie das aussieht. das insekt. und das buch – nach dem papierschmaus.
knapp setzt er die worte. schön knapp aber wirksam. ich bin auf seite 83. auf dem weg von POLESIE zu den FINKEN. und immer weiter.
gerade fand ich in der mediathek einen kurzfilm über den autor und die landschaft. auch knapp. und anschauenswert.
https://www.zdf.de/kultur/kulturzeit/strasse-816-eine-wanderung-in-polen-100.html