…an meine deutschlehrerin in der grundschule, wie alt mag sie gewesen sein? schlank, grauhaarig, mit aufmerksamen blauen augen, die vor vergnügen funkeln konnten. aber auch zornige blicke werfen. Adelfine K.; zwischen dem alten schnapsgesichtigen rohrstockschläger, der verschüchterten junglehrerin, der sportlehrerin mit ihrem bellenden ewigen „jamterammterammtammtamm“ war sie mein lichtblick. wenn sie mich ansah, fühlte ich mich richtig. gesehen und verstanden. als mein vater es sich nicht vorstellen konnte, mich auf die höhere schule zu schicken, kam sie zu uns nach hause. sie ging nicht eher, bis sie meinem vater ein Ja abgetrotzt hatte. wenigstens mittelschule. wenigstens das. dass ich die aufnahmeprüfung bestand, erstaunte mich sehr. war ich vielleicht doch nicht so dumm und störrisch, wie der rohrstockschläger behauptete? als ich dann zur mittelschule ging, lud mich Frau K. ab und an zu sich ein. zum kakaotrinken. ein bisschen eifersüchtig war ich auf ihre große tochter. aber das war bald vergessen. wenn ich in ihrer stube an dem großen fenster saß und in die bäume guckte, war ich glücklich. und heute noch bin ich glücklich, dass ich ihr begegnen durfte.
wie komme ich jetzt darauf? ich lese ein buch: „Der erste Mensch“ von Albert Camus. die geschichte einer kindheit und jugend in einem armenviertel in Algier. auch dem protagonisten begegnet ein lehrer, der ihn „sah“. ich lese und lese und kann nicht aufhören. die kinder, die aus „nichts“ ihre spielzeuge herstellen, tagelang selbst erfundene spiele spielen. die mutter. die großmutter. der onkel. das geschlachtete huhn. er erzählt so sinnlich, die straßen, die häuser, das licht, die gerüche, die geräusche. das buch hat mich sofort gefesselt und hineingezogen und es kommt mir manchmal vor, als sei ich in meiner eigenen kindheit gelandet, ganz anders, aber tief verwandt. er erzählt das helle und das dunkle, das leichte und das schwere und es ist ein großes atemloses vergnügen, das zu lesen. zwei drittel des buches sind verschlungen. das letzte wartet morgen auf mich. ich kann es schon jetzt sehr empfehlen.

alle haben wir gehofft – leider verloren… nicht oft kommt es vor, dass der Maschsee völlig zufriert. auch diesmal nicht! wieder kein schlittschuhvergnügen, wieder kein leichtes schönes gruseln beim überqueren des sees (er knackt! er knackt!). nein. nein. nein. seit gestern ists frühlingslinde, der eismann am fiedeler platz hat gut zu tun, in zweierreihen stehen die menschen vorm tresen. viele mutige sitzen schon draußen und schleckern, was das zeug hält. nur der Maschsee hats mal wieder nicht geschafft, genug eis zu machen. auf den langsam schwindenden flächen rottet fortgeworfenes zeugs. dazwischen schüchterne abdrücke von vogelfüßchen. an einem schönen hellen tag kann das sogar ein gemälde werden.


ein sonntag im märz. die sonne ist noch hinter wolken verborgen . ich gehe hinaus, fahre mit der straßenbahn zum expo-gelände. nach und nach leert sich der wagen. schließlich bin ich die einzige, die übrig ist. an der endhaltestelle steige ich aus, gehe durch die feldmark. zahm ist heute der wind, heut will er nur spielen, streicht zart über die stoppelfurchen. ein wenig unheimlich ist mir, ganz allein bin ich hier. nur ich und der wind, der die großen räder bewegt. später kommen fußgänger, hunde, fahrradfahrer. ein kleines mädchen heult, es ist ihm zu kalt. die mutter steht schweigend am tor und raucht. kommst du jetzt endlich! neiiiiin! ich will niiiiiiiiicht! am kronsberg rodeln zwei kinder mit roten jacken. weiss und schwarz aber sind die farben, die meine kamera heute meist fängt. denn ich probiere die schwarz-weiss-funktion. seltsam. und schön. und etwas rätselhaft werden die bilder. jetzt nehme ich sie mit in meinen traum.