schatten fangen

Von | 11. Juni 2019

an sonnigen tagen betrachte ich gern schattenspiele. sitze in der straßenbahn und schaue. vieles entzückt mich. manchmal steige ich aus und laufe ein wenig zurück, um den schatten zu fangen. wenns heiss ist, muss ich den schweinehund ordentlich treten. diesen schatten jedoch fing ich ganz gemütlich ein. beim italiener hockend, pasta und wein genießend. direkt gegenüber. klick! so hab ichs auch gern.

dein persönliches notfallkonzert

Von | 8. Juni 2019

dein persönliches notfallkonzert? im Sprengel Museum? was soll das sein? neugierig setzte ich mich in die erste reihe des auditoriums, neben mir, hinter mir unterhielten sich die anderen neugierigen. vier junge leute kamen herein, eine frau, drei männer. packten ihre instrumente aus
(zwei violinen, eine bratsche, ein violoncello). legten noten auf die ständer, schauten uns an, lächelten, setzten sich. bis auf einen, der hielt einige zettel in der hand, zeigte sie hoch und lud uns ein. zehn, die sich trauen. viel ist nicht zu tun. eine sorge, eine not, eine angst, ein unbehagen, egal was – einem dieser zettel anzuvertrauen, den zettel ins orchester zu geben und sich zu setzen. nach vorn. mitten rein. auf den knalleroten stuhl. eine nach dem anderen, immer der reihe nach. die musizierenden (und nur die!) werden den zettel lesen, sich kurz beraten, und dann –

… dann werden sie versuchen, den beschriebenen zustand in musik umzusetzen, zu improvisieren, und danach ein klassisches musikstück spielen , das den schmerz, die wut, die ratlosigkeit, die unruhe, derdiedas was auch immer lindern, beruhigen, womöglich heilen soll.

zehnmal wurde ein zettel abgegeben, zehnmal wurde gespielt. der jeweils „bespielte“ mensch saß auf dem roten stuhl und ich dachte, eigentlich ist das eine therapiecouch, genau! und die zuhörenden sind unterstützende, rückenstärkende zeugen des therapeutischen prozesses.

ein paarmal kamen mir die tränen, das ganze ritual, die einfühlsame zärtlichkeit der musiker, das gespannte lauschen der zu tröstenden, die zartheit, die derbheit der füße der sitzenden in all den sandalen, sneakers und latschen – all das ging mir sehr ans herz. die meisten bespielten erhoben sich ein stückchen aufgerichteter aus dem roten stuhl, bedankten sich leise bei den musizierenden; manchmal sah man eine träne, ein verstohlenes lächeln, eine neue entschlossenheit in einem der gesichter.

ab jetzt so oft wie möglich: einmal im monat mein persönliches notfallkonzert im Sprengel Museum. mit dem „Orchester im Treppenhaus“.
was für eine großartige idee!
https://treppenhausorchester.de/notfallkonzerte/