Shakespeare to go – oder: der senfglasfreier

Von | 24. Mai 2019

wir betreten den raum, schauen auf den roten samtvorhang, der sich heute nicht ein einziges mal bewegt. er befindet sich nämlich hinter der bühne.

die bühne ist ein tisch. die schauspieler stehen aufgereiht und wohlgeordnet in den regalen rechts und links des tisches. eine frau in schwarz leert das regal mit der aufschrift: the taming oft the shrew. (deutsch: der widerspenstigen zähmung). die schauspieler werden auf zwei kleinen tischen rechts und links unterhalb der bühne angeordnet. Die frau in schwarz setzt sich auf den stuhl hinter dem bühnentisch. und beginnt.

mit hilfe der schauspieler (glasflaschen, ketchupbehälter, öldosen, deodorant, feuerzeug, senfglas, vasen, ach und und und) erzählt sie die geschichte. in einem so wunderbaren englisch, dass selbst ich als nicht so fitte englischkennerin fast alles verstehe. aber das „verstehen“ der sprache ist auch beinahe nebensächlich. die schauspielerinnen und schauspieler in ihrer alltäglichkeit wirken derart anrührend, dass man hingerissen ihrem spiel verfällt. Einer der vielen shakespeareschen verliebten ist ein senfglas in bierseidelform, noch halb gefüllt mit der gelben masse. eine schlanke dunkle glänzende vase und eine rundliche dunkle glänzende vase spiegeln sich perfekt ineinander. auch sie ein liebespaar in verzweifeltem verlangen nacheinander. oder so. wahrscheinlich bringe ich die protagonisten durcheinander. es waren ihrer viele, viele. das liebevolle und engagierte agieren der „echten“ schauspielerin und des schauspielers tat ein übriges, uns restlos zu entzücken.

45 minuten später war es aus. wir machten eine pause, übersprangen eine vorführung (Heinrich VI, Part 3) und kehrten zurück zu „A midsummers dream“ (ein Sommernachtstraum). niemals sonst beim betrachten dieses stückes verstand ich all das treiben, die verlockungen, verführungen, verkleidungen, zauberei, hin und her – nun aber weiss ichs. alles!  alles!

das verdanke ich tatsächlich dem Ensemble Forced Entertainment aus Sheffield. das nämlich brachte innerhalb von 9 tagen das gesamte bühnenwerk Shakespeares auf den tisch – die appetithäppchen, die wir diesmal kosten durften, haben uns sehr gemundet!

sammeln

Von | 14. Mai 2019

wenn du gehst lang und weit gehst überall blicke verstreust dinge entdeckst umdeutest flügel färbst hügel schichtest flügelhügel dazu ein zartes nacktes ästchen fügst kann es sein wie eine neugeburt wiedergeburt himmelfahrt hölzern lebendig ganz

anders