da nahm er den spaten

Von | 29. April 2021

sehr lange gingen mir geruch und geschmack nicht aus der nase, nicht von der zunge, so würzig, dass mir die spucke einschoss, kleine quellen im innern des mundes. der magen knurrte und ich war so glücklich, als ich dieses kraut über meine rühreier streute. schnittlauch sagt man auch. nur war dieser so ganz anders als das, was man so im laden kaufen kann. da konnte man auch gleich katzengras nehmen oder einmal mit der schere über die wiese gehen. einfach nicht wie schnittlauch, nur irgendwie grün. alle selbstaussäh- und zuchtversuche brachten nichts, auch kein kraut im topf gekauft, nix.

gestern saß ich im garten beim bruder und schwärmte von dem kraut, das er mir irgendwann mal mitgegeben hatte. da nahm er den spaten, ging auf die andere seite der laube und kam zurück: mit einem schönen batzen erde aus dem schnittlauchbeet. hab schon geerntet, sagte er, aber wenn du das einpflanzt, dann hast du bald was feines.

ich pflanzte und goss – und nun warte ich. und freue mich schon… vielleicht liegts an der vaterscholle, dessen garten dieser einmal war. vielleicht schmeckt dieser schnittlauch nach kinderzeit? wer weiss das schon?