take care of nierenstein

Von | 16. Mai 2020

die stadtteilgesellschaft wird täglich animiert, kreativ zu werden, zu sein, zu bleiben. bunte reihen aus steinen ziehen sich in die länge, schlängeln sich, rotten sich (vorsicht! vorsicht!) zu kleinen klüngeln zusammen. an kitas und anderen einrichtungen sind gemälde und schriften befestigt: wir vermissen euch! auf dem fiedelerplatz hängt eine wäscheleine mit „wundertütchen“, darin sind alle möglichen handlungsanleitungen, von kuchen-, keks- und kochrezepten über schnippelsachen, spiele und verse. die kulturinitiative ermuntert zum schreiben in coronazeiten. an fenstern, hinter denen kinder wohnen, sieht man oft den gemalten regenbogen und die worte: alles wird gut.

nicht zu vergessen die vielen kreidegemälde auf gehwegen und straßen. es ist bunter geworden. und das ist gut so.

flattened the curve

Von | 15. Mai 2020

eine aphrodisierende wirkung sagt man vielen dingen nach. für mich ist kunst eines davon. kunst machen. kunst sehen, kunst hören. riechen? schmecken? fühlen? vor jahren öffnete ein großer laden für künstlerbedarf in Hannover. ich ging rein und mir war, als hätte ich mich schlagartig verliebt. knallrot, mit weichen zittrigen knien und fingern schlich ich durch die gänge. farben! papiere! stifte! leinwände! rahmen! bücher! und was nicht noch alles. es dauerte, bis ich mich wieder einkriegte.

gestern wars ähnlich. endlich wieder Kunstmuseum! geöffnet! ich habs vermisst. dachte: guckste mal obs lange schlangen… nein, nix da. so, dann nichts wie los. den lappen über mund und nase und rein in die heiligen hallen. allein allein summte ich vor mich hin in menschenleeren sälen. irgendwann stand ich vor einem gemälde von Emil Schumacher, feurig rot, und mir war heiss, herzklopfen. zog den henkel von einem ohr, ließ den lappen hängen und atmete tief ein. und aus.

und dann! eine aufsichtsperson kam um die ecke und sagte: „würden sie bitte ihre maske aufsetzen?“ „aber, aber – wen bitte soll ich denn hier vergiften mit meinem atem?“ stammelte ich noch. sie blickte streng, von ferne.

ich zog hoch und dachte, ah so geht das also mit „flatten the curve“. schlagartig entregt. noch ein blick zurück in den menschenverlassenen saal – dann schlich ich mich. und fragte mich. und frage mich noch immer.

maulkörbchengröße

Von | 14. Mai 2020

einen maulkorb will ich haben. flecht ich mir einen? bei den denkrunden um den see fiel mir ein, dass das genial wäre. der maulkorb müsste immer mitgeführt, aber nicht dauerangelegt werden. nur zum maulen. ein maulkorb, in den ich jeden tag alles hineinmaule, was es zu maulen gibt. und den ich dann jeweils am ende der woche vor mir ausleere. alles betrachte, was darin ist. und dann mal gucke, was eigentlich dann noch übrig ist von der maulerei. wahrscheinlich bräuchte ich nach einiger zeit nur noch ein maulkörbchen. ein ganz kleines. deshalb mein inniger vorschlag: maulkorbpflicht für alle!

oder wie wärs denn vielleicht mal mit ner stylishen maultasche?