raus ins grüne, in die sonne gehen! sollen wir ja. ich halt mich derzeit lieber ans streunen durch die straßen, da ist nix los, denn alle sind – im grünen. schon brav, mit abstand, alles gut. aber mir ists dennoch zu eng. also bin ich nicht im grünen, sondern im bunten. denn ich finde herrliche dinge, die mir das herz groß und weit und warm machen. wie diesen liebesbrief, vor einem haus aufs gehsteigpflaster geschrieben: HALLO RITA BLEIB GESUND RITA EINEN SCHÖNEN TAG RITA mitsamt blümchen und herzchen und smileys… glückliche Rita! richtig glücklich aber wohl erst wieder, wenn wieder herzhaft geknuddelt werden darf.
gesund solls sein, damenherren. frauenmännerkinder. gesund solln wir sein. was tun wir denn da?
auf, ins knackige! hört ihr, wie es klingt, wenn die messerklinge auf die paprika trifft? plooaaar… wenn der knoblauch sich entkleidet, aus dem feinen weissen kleidchen sich windet, wie sie rascheln, die röckchen von knoblauch und zwiebel? hört ihr das brutzeln der pfanne? ja, das ist ein sonntagskonzert! und vor dem magenschmaus der augenschmaus, das rote hütchen mit den grünen – dings? schnippel? schnippel. gut ich schnippel, es brutzelt und duftet und alles ist gut. nur still – ist es nicht.
im blog eines von mir geschätzten autors (blogroll: Ortheil-Blog) fand ich gestern fünf köstliche kleine geschichten. sehr ermunternd, tröstlich, teils fröhlich. es lohnt das lesen! überhaupt findet man hier viel anregendes, horizonterweiterndes.
die rapunzel-geschichte hat mich am meisten erfreut. eine buchhändlerin lässt von oben ein körbchen hinab zu ihrer lesehungrigen kundschaft, die daraus die ersehnten bestellungen fischt. dabei ins scherzen kommt, dann gar ins singen: „Es tönen die Lieder, der Frühling kehrt wieder“. wie köstlich.
dabei fällt mir ein: mein chor fehlt mir. und die gottesdienste, in denen kräftig gesungen wird.
nun werden wir allüberall aufgefordert, zu bestimmten zeiten vom balkon zu singen. ich guck aus dem fenster. kaum ein balkon. auch niemand an den fenstern will singen. Vielleicht muss ich einen Anfang machen. Noch trau ich mich nicht. aber wer weiss…
auch auf dem wochenmarkt singt niemand. der schrägtönende saxophonist schläft vielleicht noch. einige menschen huschen ernst und grau und verschreckt herum. ich probier was. jeder, der nicht nach unten schaut, wird kräftig angelächelt. und siehe da – manches gesicht blüht auf. wie die narzissen. vielleicht ist ja auch das ansteckend – sogar auf Abstand.