leer

Von | 8. Februar 2025

ich ging vom lauten, bunten, windwilden Opernplatz denn doch

irgendwann aus der kälte ein wenig weiter. in den kunstverein, kunst schauen.

es gab gemälde, die mich aber nicht so sehr berührten wie die videoarbeit eines ukrainischen

künstlerpaares. nach einem russischen angriff war das historische museum

in Cherson geplündert, innerlich kaputt und leer. der film zeigt die wände,

noch intakt, daran aber nur die halterungen, die podeste und sockel, leer,

ohne die kunstwerke. wände mit spuren von nägeln darin, ansonsten leer.

aus dem off sagt eine stimme: hierhin werden wir dieses stellen, hierhin

werden wir jenes hängen, und jedesmal: wenn wir es finden.

der film dauerte 13 minuten. ich war gefangen und atemlos.

 

https://www.kunstverein-hannover.de/de/ausstellungen/4063-roman-khimei-und-yarema-malashchuk

 

„ein song reicht“

Von | 26. Januar 2025

ein song reicht ist eine initiative, um auch mal anderes

zu hören, als das, was man immer oder oft  hört. menschen,

manche prominent, manche irgendwie bekannt, manche (mir)

unbekannt – empfehlen täglich  einen song, den sie mögen. gute idee!

manches find ich doof, anderes befremdet mich, vieles lässt mich kalt.

bin halt schon bissl älter, ne. manches ist auch schön. und heute

empfahl Sebastian Krämer (Musiker) Dota Kehr: Wo soll ich suchen?

hier isses, mir hat es sehr gefallen. mir gefällt es sehr. auch das

video dazu.

 

 

wort ohne bild

Von | 26. Januar 2025

an einem der letzten tage des vergangenen jahres

war ich im Sprengel Museum. saß lange vor einem bild

von Pierre Soulages. gern arbeitet er mit schwarz. dieses

bild aus dem jahr 1955 mit dem titel „Composition 55/56“

war auch dunkel, aber es gab noch, ganz behutsam einge-

setzt, andere farben. ich weiss nicht, ob ich es hier zeigen

kann (Bildrechte). aber meine gedanken dazu, die darf

ich ja teilen:

 

es wäre dunkel, im schwarz, im braun, im grau. wären

nicht spuren von rostrot, beige, gelb, wie sprünge, risse in

einer holz(?)wand.

ich denke an einen raum, in dem wände, planken, den weg

zum licht verstellen. könnte man nicht drumherum gehen,

wenn man es denn wollte? wie viele möchten im dunkeln

sitzen bleiben und lauschen. ihren litaneien. den schaben,

die hinter Tapeten krabbeln kratzen.

oder mit offenen augen das dunkel erkunden?

gibt es da sehnsucht? nach außen? was ist das da für

ein licht? was ist da draußen? lohnt ein aufstehen, ein

blick?

es könnte auch sein, dass ich von oben schaue, von einem alten

morschen dach mit unsicherem boden. nach unten schauen,

die ritzen und das größere „lichtelement“ deuten auf einen

erleuchteten raum hin, den ich nicht sehen kann.

was ist da?