Amsterdam 1

Von | 8. September 2019

er fließt. der verkehr fließt, die luft ist frischer als in der stadt, in der ich lebe. es stinkt nicht permanent nach abgasen. es gibt weniger autos, dafür viel mehr fahrräder. und die werden bewegt, zu jeder tages- und nachtzeit. nie wird es langweilig, irgendwo zu sitzen und zu gucken. einfach so. am morgen sitzen wir vor einem café an einer straßenkreuzung und betrachten die fahrradbeweger. einer gähnt, den mund weit aufgerissen. ein anderer reibt sich parfüm oder rasierwasser hinter die ohren. eine isst ein sandwich, eine telefoniert, einer spannt gerade, mitten im fahren, seinen regenschirm auf. alle achten auf alle, nur einmal hupt jemand und gestikuliert. kein geschreie, kein gefuchtel, kein geschimpfe. alle geben acht, autofahrer, radfahrer, fußgänger. sie bewegen sich vorausschauend, selten guckt jemand unterwegs aufs handy. eine große wahrnehmungsschau. etwas sehen, kurz abstoppen, durchlassen, weiterfahren. kaum jemand muss absteigen vom rad. faszinierend. ich wünsch mir was…

am see

Von | 29. August 2019

in stille sitzen am see nichts erwarten doch ich warte warte auf die maus die krümel fängt männchen macht das braunrote fell geputzt der glänzende feste mäusebart vibriert vor erwartung noch ein krümel noch ein korn nein danke die maus erscheint nicht nicht heute ein rotkehlchen raschelt heran mit schwarzen feuchten runden augen plinkert pickt verschwindet.

es kommt ein ungelüfteter mann mit hackenporsche, staubig, zerschlissen. suchender blick. huscht davon.

es kommen frauen mit hunden. es kommt eine frau die ein fahrrad schiebt. vom weg jenseits der büsche höre ich das gehechel der menschen, die um den see rennen.

bäume lehnen sich weit übers wasser, stamm, starke äste, glatte stellen in der rinde, abgeschabt, glänzend. als kind hockte ich auf solchen ästen, dicht über dem fluss, schaute in die zappelnden gleissenden wellen, schmale lider gegen das lichtgeschunkel, sah ihre gebogenen sonnengesprenkelten rücken auf ab auf ab weiterziehen, flussabwärts, nach der moldaumelodie von Herrn Smetana, dadadadadadadadadadadadadaaaaaaaaaaa. saß inmitten der weidenblättergardine, das vom spiel erhitzte gesicht den kühlen grünen berührungen hingegeben.

heiss im hof

Von | 27. Juli 2019

heiss im hof

wind lüftets grüne gefieder

vom kirschenbaum

schrumplige früchte

schwarze rosinen am stiel

schaukeln mit meisen

Lilly die katze

schleicht matt übern mulch

ich liege und schau

in den himmel

laut spricht der nachbar

auf seinem balkon

mit jemand

der unsichtbar ist

eigenmächtig

zu schnell

wenden sie sich

die seiten im buch

weg von mir

die wörter

sagen mir nichts

vor meinen halb

geschlossenen augen