SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

wozu brauchen engel füße?

Tagebuch — Sylvia am 6. Dezember 2017  

(ausschnitt)

seit gestern ist im rahmen der gruppenausstellung „Fliegen! Fliegen!“ im Kulturtreff Plantage noch einmal meine wandinstallation „Wozu brauchen Engel Füße?“ zu sehen.

hier der text, der die installation begleitet:

„sinds flügel? sinds füße? ja was denn nun? ein kleiner exkurs zur entstehungsgeschichte:

ein freund aus Hamm fragte mich vor Jahren: Sylvia, hast du nicht lust, in unserer kirchengemeinde etwas zum thema „engel“ zu machen? gern sagte ich zu, denn mit den engeln hatte ich es schon länger, u.a. eine ausstellung zum thema „Die Engel der Dichter“ mit radierungen zu engelgedichten. diesmal aber wollte ich keine zeichnungen, keine radierungen machen. aber was sonst?

ein gedicht von Rudolf Otto Wiemer brachte mich auf die spur:

 „Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel“  heisst es darin.

es müssen nicht männer mit flügeln sein, die engel… auch jeder mensch kann einem anderen menschen engel sein. menschen, die mir begegnen; die mahnen, einen weg weisen, wegweisen, hinführen (zu menschen oder begegnungen, die nötig für mich sind), innehalten gebieten, bestärken, ein zeichen geben, aufmerksam machen, licht ins dunkel bringen, mir einen tritt geben.

aber wie – das darstellen, ohne zu illustrieren? der einfall (engelstritt?) kam mir eines abends, als ich auf dem sofa lag und meine nackten füße betrachtete. der visuelle eindruck kippte ständig zwischen fuß und flügel. und bald darauf war die idee geboren, damit eine ganze wand zu gestalten, lauter füße/flügel, große, kleine. und kurz darauf war auch der titel da: „Wozu brauchen Engel Füße?“

viele menschen halfen mir. sie mussten weiter nichts tun, als schuhe und strümpfe auszuziehen und sich auf einen bogen transparentes papier zu stellen. die fußumrisse habe ich mit pastellkreide umzeichnet und sie mit den lieblingsfarben der „fußgeber“ gefüllt. zeitgleich lief eine frageaktion, in der die unterschiedlichsten menschen, kinder, jugendliche, erwachsene auf die frage antworteten: „Wozu brauchen Engel Füße?“ phantasievoll oder poetisch, versponnen oder pragmatisch – eine vielfalt an äußerungen kam zusammen, geschrieben, gezeichnet, gemalt, fotografiert… sie alle sind versammelt in dem heft, das neben der installation von der decke schwebt.

viel freude beim lesen!

und wenn ihnen auch etwas zu dieser frage einfällt: nur zu! nehmen Sie einen zettel, einen stift, und schreiben sie: ……“

einige haben geschrieben, auf zettel in füßchenform. sie liegen noch dort und hoffen auf gute gesellschaft. wenn die ausstellung vorüber ist, werde ich sie an mich nehmen und der dokumentation hinzufügen.

vielleicht haben auch meine blogbesucherInnen lust…?

kleine spielerei

Tagebuch — Sylvia am 4. Dezember 2017  

sturmauge?

krallenmonster?

ein nest? ein ei?

ein vogel schaut

ins ungefähr

der blaue himmel

gibt nichts her

ein rätsel

mit bunten beinen

 

winterschlaf?

Tagebuch — Sylvia am 3. Dezember 2017  

 

foto: grafitti in Hannover

ja so ist es. oder nicht? alles schläft, einsam wacht. also es ist nicht so. es ist so: vieles geschieht, vielleicht zu vieles, um schreibend, fotografierend oder sonst irgendwie  hinterher zu kommen. alles zu groß zu breit zu bunt zu hoch zu tief. dann denke ich wie Scarlett O’Hara: ach, morgen ist auch noch ein tag. und dann ist morgen. und dann ist übermorgen und nichts ist geschafft. zumindest nicht hier. kein winterschlaf. eher eine herbstwinterfülle, die mich ermattet. demnächst vielleicht mehr. ich lebe noch… und ist das nicht schön?

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