SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

am ufer

Tagebuch — Sylvia am 28. September 2016  

die Donau fliesst durch viele länder:  durch Deutschland – Österreich – die Slowakei – Ungarn – Kroatien – Serbien – Rumänien – Bulgarien – Moldawien – die Ukraine.

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fährst du die Donau runter, gleitest im schiff über ihren glitzernden rücken, hörst du so manche geschichten aus der geschichte. du denkst dir, dass sich eigentlich nicht viel geändert hat über die jahrhunderte hinweg.

mord und totschlag, brandschatzende horden, unterdrückung, beute, menschen.leben, grenzverläufe. menschen eben. herrschsucht. kriegswut. macht. gier. besetzungen. landraub.

trübsinn will sich einnisten; doch dann kommen die bilder heran von den menschen am ufer. ganz gleich, durch welches land wir fuhren: da waren die männer, die gleichmütig ihre angel in den fluss hielten. saßen und schauten und schauten und warteten. im hintergrund sah man oft kleine hütten, irgendwie zusammen gehauen aus brettern, zweigen, stoff. manchmal sah man frauen, kinder wuseln.

abends brannten feuer, etwas wurde gebraten, vielleicht die gefangenen fische, vielleicht ein kotelett, eine wurst. musik war zu hören, manchmal gesang, flaschenklirren. und beim nachspüren der reise denke ich mir: überall, in jedem land, saßen die menschen am fluss und wollten nichts als friedlich fische fangen, essen, trinken, singen, feiern, mit freunden beisammen sitzen. wieso also gibt es dennoch so viel: mord. totschlag und all das. siehe oben. es könnte so einfach sein. aber menschen sind menschen. wahrscheinlich wohnt es in uns allen, mal gezähmt und fein geföhnt, mal wild und von der leine gelassen: das monster, das haben will. das herrschen will. das blut will. das will, was der andere hat;  Kain und Abel. aber die bilder der menschen am ufer machen hoffnung, trotzdem, wider alle erfahrung und befürchtung. „sozialromantikerin“  höre ich diabolo, den durcheinanderwerfer, auf meiner linken schulter kichern. lach nur. ich brat mir jetzt nen schönen fisch – willst du auch?

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so schnell

Tagebuch — Sylvia am 24. September 2016  

so schnell klappt es nicht mit dem ankommen zu hause. noch immer fühle ich mich ein wenig aus der welt gefallen. wache ich früh auf und schiebe den vorhang zur seite, sehe ich meine straße, wie sie immer ist. das ist beruhigend und schön und hilft ein wenig. doch immer noch denke ich an die frühmorgenblicke auf dem schiff. manchmal nichts als fluss und bäume. manchmal überraschendes, wie an diesem morgen. aus der dämmerung schiebt sich ein bild an mir vorüber. eine sandbank. darauf ein mann. ein häuschen? ein gestrandetes hausboot? seine zwei weissen freunde spazieren ungerührt weiter. nur der mann schaut auf, wundert sich vielleicht oder auch nicht über mich, die nicht aufhören kann, auf dieses bild zu schauen. vielleicht ist es ja doch nur ein traum.

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lass uns nen walzer tanzen

Tagebuch — Sylvia am 20. September 2016  

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lass uns

nen walzer

tanzen

die donau

macht mit

ganz langsam

links rum und

rechts rum

im knie

hockt ein vieh

ists reiher?

ists reh?

ach nee

es ist ein biber

der ist mir lieber

der biber

der kanns

fast so gut

wie der franz

linksrum und

rechtsrum

und dann noch mal

ganz

rum

ta-ta-ta-ta

taraaaa

 

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