SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

vorurteilswiderlegung

Tagebuch — Sylvia am 23. Juni 2016  

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aquatraining. nun gut. gehen wir zum aquatraining. soll dem körper gut tun und die gelenke schonen. ok. früher hieß das wohl mal wassergymnastik. vorm inneren auge schaukelten badekappen, bunte mit blumen drauf, helle, dunkle, rüschige, spießige. sehr alte menschen im wasser, die ein bisschen mit den beinen strampeln. mit den armen aufs wasser patschen. oder so ähnlich. jedenfalls stellten wir es uns vor wie eine veranstaltung, eher zum einschlafen geeignet, wenn das im wasser nicht zu gefährlich wär. der kopf würde sinken und wir würden ertrinken. darum immer schön hoch das haupt. und auch das bein, denn das ist fein. es kam aber anders. ein mensch nach dem anderen ließ sich zu wasser, die meisten wohl jünger als wir. ätsch! keine badekappe in sicht, ist wohl nicht mehr in, zum glück hatten wir auch keine dabei. wir schwammen behaglich vor uns hin. und dann war schluss mit der beschaulichkeit. eine entschlossene blonde dame kam herein, hallo hallo, öffnete einen schrank, hantierte herum und plötzlich: wumm wumm wumm wumm töne! musik in schnellem rhythmus, die dame gab kommandos und tanzte vor. nach einer dreiviertelstunde kletterten wir die treppe hoch und fühlten uns mindestens 10 jahre älter. schwer. langsam. ungehobelt. wir schlichen in die umkleiden. wir duschten, trockneten uns ab, zogen uns wieder an – alles in zeitlupe. dann schlichen wir zur straßenbahn. so gut haben wir dann des nachts schon lang nicht mehr geschlafen. und heute – sehr frisch und fast energiegeladen. fast. wiederholungen in sicht.

alles ging nicht

Tagebuch — Sylvia am 21. Juni 2016  
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einen knappen tag nur hatte ich zeit. das geht eigentlich gar nicht, aber besser etwas als überhaupt nix, dachte ich mir. alle zwei jahre findet auf dem ehemaligen EXPO-Gelände das Lumix-Festival statt. junge fotojournalisten zeigen ihre arbeiten und stellen sich den fragen des publikums. die atmosphäre ist sehr anregend, viel junges volk tummelt sich.

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an allen ausstellungsorten drängte sich das publikum, wir schafften nur die haupthalle, dazu drei ausstellungen in den nächst gelegenen häusern und einen teil des „skywalks“, einem endlos langen verglasten schlauch, in dem sich ein thema an das nächste reihte.

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es ist anstrengend (aber ungemein bereichernd) – so viele fotos anzuschauen. und so viele unterschiedliche themen auf sich wirken zu lassen. krieg, terror, flucht. amiwahlkampf. das leben unter den straßen von Bukarest. mit dem zug durch Indien reisen. einen arzt aus Syrien, der sich als landarzt in der Uckermark niederließ, bei seiner arbeit begleiten. so viele teilnehmer wie themen. be-rührend und aufrüttelnd, manchmal amüsant. hier kann man eine übersicht über die themen und einige fotos finden:

http://fotofestival-hannover.de/festival/ausstellungen.html

es hat mich sehr beeindruckt, was die jungen journalisten auf sich nahmen, um eine gute reportage zu machen, die  nicht nur plakativ abbildet, sondern vielschichtig, aus unterschiedlichen perspektiven berichtet. schade. nur alle zwei jahre…

katalog (lohnt sich sehr!):

In dem 301—seitigen Buch finden Sie alle Informationen über die Ausstellungen und deren Autoren des 4. LUMIX Festivals für jungen Fotojournalismus. Auch der visuelle Genuss darf nicht fehlen – alle 60 Ausstellungen sind auszugsweise zu sehen. Der Katalog kann für 20 Euro an verschiedenen Verkaufsstellen erworben werden. Ein Versand (zuzüglich Versandkosten) ist zudem auch möglich. Bitte schreiben sie ihre Bestellwünsche an folgende Mailadresse: fotofestival@hs-hannover.de

der mann von dessen schirm es ständig regnet

Tagebuch — Sylvia am 16. Juni 2016  

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zu meinen füßen ein kind und pommes frites. das kind schreit, die mutter schimpft. keiner räumt den dreck weg. ich steh hier festgebacken, wohl auf ewig mit meinem ständig tropfenden schirm. ob sonne oder nicht – es regnet von meinem schirm. eine künstlerin hat sich das ausgedacht und es ist mir egal. käme die straßenreinigung nicht von zeit zu zeit, würde mir das alles die beine hochkriechen. pommes mit mayonaise, leere coffee-to-go-becher, servietten, hundehaare, schlimmeres, ein alter kamm, mc-donalds-kartons, verjährte liebesbriefe, abgelaufene fahrscheine, matschiges eis mit oder ohne waffel, zigarettenkippen, zigarrenasche. und schlimmeres. aber sie kommen vorbei und räumen alles weg. manchmal, in einem heissen sommer, stellen sich leute zu mir unter meinen schirm. schön schattig, sogar mit wasserkühlung, höre ich sie dann oft sagen. auch das ist mir egal. da kann man nichts machen. ich stehe hier einfach, mit meinem tropfenden schirm, und es hört nie auf.

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