SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

wölkchen auf den lippen

Tagebuch — Sylvia am 22. Januar 2019  

an den geleisen gestanden heut morgen.

die bahn lässt sich zeit. manche menschen reden. manche menschen rauchen. manche menschen rauchen und reden. manche gucken nur. doch vor allen mündern stehen kleine wölkchen. wenn die bahn kommt, ist alles verweht wie der traum, aus dem ich heute morgen stieg. davon weiss ich auch nichts mehr, außer dem müllabfuhrmann in orange, der mir zuwinkte und rief: „diesen mist machen sie aber alleine weg.“

sonnenschein

Tagebuch — Sylvia am 19. Januar 2019  

in diesen tagen war es dunkel, viel und oft. der regen trommelte und rauschte und wir waren es so leid. erst war es schön gewesen, zu lauschen und einfach nichts zu tun. im rotweinglas spiegelten sich die lichter, noch von weihnachten her. die katze schnurrte, der hund seufzte im traum und zappelte mit den pfoten. unsere gastgeber taten alles, um uns fröhlich zu machen. feiner wein, leise gespräche bis in die nacht, nahrhaftes essen, spaziergänge im nassen schwarzen wald. schön war es. und nun, wieder daheim seit tagen, erscheint plötzlich hier: die sonne. ganz ungewohnt hell ist es unterm dache, und als ich heut morgen hier oben ankam, fiel mir gleich dieses ensemble ins auge:

ja! sagte ich. genau!

horch!

Tagebuch — Sylvia am 12. Januar 2019  

horch! die flocken fall’n

ganz leis‘ auf rotes fell. schau –

feiner heller schnee!

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