SYLVIA HAGENBACH

Texte und Bilder

küchenquatsch

Tagebuch — Sylvia am 4. März 2019  

im zwiebelnest wuchs der knoblauchkobold unbemerkt heran. als ich das messer wetzte, quiekte er leise. da erst bemerkte ich ihn. diese augen, so groß und fast räderrund! der kleine feine zweirohrige rüssel. die knisterzarten flügelchen, weiss mit lila streifen. und das schwänzchen mit dem sanften knoblauchduft!

er rührte mich, der kleine. so nahm ich ihn, setzte ihn fürs foto auf die knackige rote paprika – den rest wollt ihr gar nicht wissen…

(fast) ohne worte

Tagebuch — Sylvia am 1. März 2019  

in diesen frühlingstagen möchten die augen schauen, möchte die nase schnuppern, die hände wollen weidenkätzchen streicheln, die münder schlecken und schmecken, eis, eis, eis oder noch feineres. und die ohren lauschen auf die vogelgespräche in baum und busch. und da ist das dann wie abgeschnitten mit den worten wörtern stabbuchen buchstaben. frühling, du bists.

alles wartet alles leuchtet

Tagebuch — Sylvia am 21. Februar 2019  

alle sind da. die enten die blässhühner die schwäne und ihr laternengefieder. die sonne. krokusse. gänseblümchen. schneeglöckchen. frühblüher.

am sonntag spazierten die leute am fluss, in den wiesen, auf den straßen. es war so warm und so hell. wohin geht man da? sofort? zum eismann. da standen viele menschen. und schauten. sie schauten wie schäfchen, denen die mama fehlt. kopfschütteln. schulterzucken. traurige hängeköpfe. LEUTE! es ist Februar! wollte ich ihnen zurufen. der eismann kommt im März!

ja, es ist Februar. aber gestern habe ich Bruno gesehen. den chef. Bruno ist da! und da: die gardine bewegt sich. die eisverkäufer saugen staub, polieren die theke und die fenster.

wetten? morgen schauen wir anders aus der wäsche. heiter, sehr heiter. denn Bruno und die seinen warten schon. auf uns!

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